Motorradfahren im Herbst: 9 Fehler, die jetzt schnell gefährlich werden

Motorradfahren im Herbst kann sehr schön sein. Die große Sommerhitze ist vorbei, beliebte Strecken werden leerer und gerade auf der Landstraße beginnt eine besonders reizvolle Jahreszeit.

Aber der Herbst verändert die Bedingungen oft schneller, als man es während der Fahrt wahrnimmt. Eine Straße kann in der Sonne trocken und wenige Kilometer später im Wald feucht sein. Morgens ist der Asphalt deutlich kühler, die Sonne steht tiefer und auf landwirtschaftlich genutzten Strecken kommen Laub, Erde und Verschmutzungen hinzu.

Das bedeutet nicht, dass das Motorrad in die Garage gehört. Es bedeutet aber: Einige Gewohnheiten aus dem Sommer sollte man jetzt überdenken.

Hier sind neun typische Fehler.

1. Mit Sommer-Tempo in die erste Kurve fahren

Der vielleicht wichtigste Unterschied zum Hochsommer ist die Temperatur.

Nicht nur die Luft wird kälter. Auch Asphalt und Reifen sind insbesondere morgens deutlich kühler. Damit können sich die Gripverhältnisse verändern.

Die Konsequenz ist einfach: Die ersten Kilometer bewusst ruhig angehen. Hartes Beschleunigen, aggressive Bremsmanöver und große Schräglagen gehören nicht an den Anfang einer kühlen Herbsttour.

Das gilt besonders nach längeren Pausen während der Fahrt.

2. Feuchtes Laub unterschätzen

Ein paar Blätter auf der Straße sehen harmlos aus. Sind sie nass, können sie für Motorradfahrer ausgesprochen unangenehm werden.

Besonders kritisch sind schattige Kurven, Waldstücke und Straßenränder. Dort kann die Fahrbahn noch feucht sein, obwohl die Strecke zuvor bereits trocken war.

Wer Laub auf seiner Fahrlinie erkennt, sollte deshalb möglichst früh reagieren: Geschwindigkeit vorher reduzieren, Motorrad möglichst wenig zusätzlich belasten und hektische Lenk-, Gas- oder Bremsmanöver vermeiden.

3. Nur auf Regen achten

Eine nasse Straße ist offensichtlich. Die gefährlicheren Stellen sind manchmal diejenigen, die man erst spät erkennt.

Dazu gehören beispielsweise Fahrbahnmarkierungen, Bitumenstellen, Kanaldeckel und Metallflächen. Bei Nässe können sich deren Gripverhältnisse deutlich vom umgebenden Asphalt unterscheiden.

Auf Landstraßen kommt im Herbst noch ein weiterer Faktor hinzu: landwirtschaftlicher Verkehr.

Erde, Schlamm und Pflanzenreste können die Fahrbahn stark verschmutzen. Besonders in der Nähe von Feldern und Einfahrten sollte deshalb mit plötzlich wechselnden Bedingungen gerechnet werden.

4. Den Reifenzustand nur nach Gefühl beurteilen

Der Reifen ist die einzige Verbindung zwischen Motorrad und Straße. Im Herbst sollte deshalb ein kurzer Reifencheck selbstverständlich sein.

Kontrolliere insbesondere:

  • Reifendruck
  • Profiltiefe
  • sichtbare Beschädigungen oder Risse
  • Reifenalter und allgemeinen Zustand

Der korrekte Luftdruck richtet sich nach den Vorgaben des Motorrad- beziehungsweise Reifenherstellers.

Wichtig: Die gesetzliche Mindestprofiltiefe ist kein sinnvolles persönliches Sicherheitsziel. Gerade bei Nässe spielt ausreichendes Profil eine wichtige Rolle.

Wer bei Zustand oder Alter seiner Reifen Zweifel hat, sollte sie fachlich beurteilen lassen.
ADAC-Reifenratgeber

5. Die tief stehende Sonne vergessen

Eine trockene Straße und blauer Himmel wirken zunächst wie perfekte Bedingungen.

Im Herbst kann genau die Sonne zum Problem werden.

Besonders morgens und am späten Nachmittag steht sie teilweise so tief, dass die Sicht innerhalb weniger Sekunden massiv beeinträchtigt werden kann. Verschmutzte oder zerkratzte Visiere verschärfen das Problem zusätzlich.

Deshalb vor der Tour:

Visier reinigen, Beschlag vermeiden und Sonnenstand bei der Routenplanung zumindest im Hinterkopf behalten.

Noch wichtiger: Auch wenn du selbst perfekt siehst, bedeutet das nicht, dass der entgegenkommende Autofahrer dich genauso gut erkennt.

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6. Zu wenig Abstand lassen

Im Sommer fährt man eine vertraute Strecke vielleicht seit Jahren mit ähnlichen Bremspunkten.

Im Herbst sollte man diese Routine nicht blind übernehmen.

Feuchtigkeit, Verschmutzungen, Laub und wechselnde Temperaturen können die Bedingungen verändern. Mehr Sicherheitsabstand schafft zusätzliche Reaktionszeit und reduziert den Zwang zu hektischen Manövern.

Gerade vor unübersichtlichen Kurven, Kreuzungen, Waldstücken und landwirtschaftlichen Einfahrten ist diese Reserve wertvoll.

7. Mit kalten Händen weiterfahren

Kälte ist nicht nur unangenehm.

Wer friert, verkrampft leichter. Kalte Finger verschlechtern zudem das Gefühl für Gas, Kupplung und Bremse.

Gute Herbstbekleidung muss deshalb nicht besonders dick sein. Entscheidend ist, dass sie Wind und Feuchtigkeit abhält und sich an wechselnde Temperaturen anpassen lässt.

Das Zwiebelprinzip funktioniert auf dem Motorrad besonders gut.

Wer häufig bei niedrigen Temperaturen fährt, wird außerdem gute Winter- oder Übergangshandschuhe und gegebenenfalls Heizgriffe schnell zu schätzen wissen.

8. Dämmerung und Wildwechsel unterschätzen

Die Tage werden jetzt spürbar kürzer.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine eigentlich tagsüber geplante Tour in der Dämmerung endet.

Besonders an Wald- und Feldrändern muss dann mit Wild gerechnet werden. Geschwindigkeit und Blickführung sollten entsprechend angepasst werden.

Entdeckst du ein Tier am Straßenrand, ist besondere Vorsicht angebracht. Wo ein Tier auftaucht, können weitere folgen.

Die wichtigste Reserve bleibt auch hier: genügend Geschwindigkeit abbauen können, bevor aus einer Beobachtung eine Notfallsituation wird.

9. Die Tour genauso planen wie im Juli

Im Hochsommer kann eine spontane Verlängerung der Tour problemlos funktionieren.

Im Herbst ändern sich Licht und Temperatur deutlich schneller.

Eine zusätzliche Stunde kann bedeuten, dass die letzten 50 Kilometer plötzlich bei Dunkelheit, deutlich niedrigeren Temperaturen oder Nebel gefahren werden müssen.

Deshalb lohnt sich vor längeren Touren ein kurzer Blick auf:

  • Wetterentwicklung
  • Temperaturverlauf
  • Sonnenuntergang
  • mögliche Regengebiete
  • Rückfahrzeit

Das dauert zwei Minuten und kann den Unterschied zwischen einem perfekten Motorradtag und einer ziemlich unangenehmen Heimfahrt ausmachen.

Der 60-Sekunden-Herbstcheck vor der Tour

Bevor du losfährst, reichen für einen ersten Check oft wenige Augenblicke:

Reifen: Druck, Profil und sichtbarer Zustand in Ordnung?

Bremsen: Funktion und Gefühl unauffällig?

Licht: Abblendlicht, Rücklicht und Blinker funktionieren?

Visier: sauber und beschlagfrei?

Bekleidung: reicht sie auch für die Temperatur am Abend?

Wetter: Regen und deutlicher Temperatursturz ausgeschlossen?

Route: Wald, Landwirtschaft oder späte Rückfahrt berücksichtigt?

Der Check ersetzt natürlich keine regelmäßige technische Wartung. Aber er verhindert, dass offensichtliche Probleme erst während der Fahrt auffallen.

Fazit: Der Herbst ist keine schlechte Motorradsaison

Im Gegenteil.

Gerade September und Oktober können großartige Motorradmonate sein. Weniger Hitze, schöne Landschaften und häufig weniger Verkehr machen viele Touren besonders attraktiv.

Die entscheidende Veränderung findet deshalb nicht am Motorrad statt, sondern im Kopf des Fahrers:

Nicht mehr automatisch unter Sommerbedingungen fahren.

Wer Temperatur, Reifen, Fahrbahn, Sicht und Tageszeit bewusst berücksichtigt und etwas mehr Reserve einplant, muss die Motorradsaison noch lange nicht beenden.


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